Manche Orte sind mehr als alte Gebäude. Sie sind Erinnerungen aus Stein. Der Stubenberg ist einer dieser Orte. Die Frage ist nicht nur, wem er heute gehört. Die viel wichtigere Frage lautet: Welche Zukunft geben wir unserer Geschichte?
Es gibt Orte, die kann man auf einer Landkarte finden und es gibt Orte, die trägt man sein Leben lang im Herzen. Der Stubenberg gehört zu ihnen. Schon von weitem grüßt er über das Harzvorland. Gemeinsam mit der ehrwürdigen Stiftskirche St. Cyriakus prägt er seit Jahrhunderten das Bild Gernrodes. Wer sich unserer Stadt nähert, erkennt ihn schon aus der Ferne, als stillen Wächter über einer Landschaft, die Generationen von Menschen Heimat geworden ist.
Doch der Stubenberg ist weit mehr als ein Gebäude. Er erzählt Geschichten. Geschichten von Menschen, die hier Rast machten, den weiten Blick genossen und sich von der Schönheit des Harzes inspirieren ließen.
Zu seinen Gästen gehörten Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Gottlieb Klopstock, Joseph von Eichendorff, Caspar David Friedrich, Heinrich von Kleist, Hans Christian Andersen und viele weitere Dichter, Künstler, Wissenschaftler und Persönlichkeiten ihrer Zeit. Über 140 bekannte Namen sind mit dem Stubenberg verbunden, ein außergewöhnliches kulturgeschichtliches Erbe, auf das Gernrode mit Recht stolz sein darf. Doch für uns Gernröder ist der Stubenberg noch viel mehr.
Er ist kein Ort aus Geschichtsbüchern, er ist vielmehr ein Teil unseres eigenen Lebens. Hier wurden Hochzeiten gefeiert und hier fanden Konfirmationen und Jugendweihen statt. Hier saßen Familien an Sonntagnachmittagen zusammen. Hier erzählten Großeltern ihren Enkeln Geschichten. Hier wurde gelacht, getanzt und gefeiert.
Wie viele Erinnerungen mögen in diesen Mauern entstanden sein? Wie viele erste Begegnungen? Wie viele Abschiede? Wie viele glückliche Stunden? Für viele von uns gehören diese Erinnerungen untrennbar zu Gernrode.
Heute sind die Türen geschlossen. Der Stubenberg befindet sich in privater Hand. Das ist selbstverständlich zu respektieren. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen eine Antwort auf eine einfache Frage:
Wie sieht die Zukunft dieses besonderen Ortes aus?
Nicht aus Neugier und nicht, weil jemandem Vorschriften gemacht werden sollen, sondern weil der Stubenberg längst mehr geworden ist als eine Immobilie. Er ist ein Wahrzeichen, ein Denkmal und ein Stück deutscher Kulturgeschichte. Vor allem aber ist er ein Stück Heimat.
Heimat besteht nicht nur aus Straßen und Häusern. Heimat lebt von Erinnerungen und von Orten, an denen Generationen zusammengekommen sind und von Plätzen, die uns mit unseren Eltern und Großeltern verbinden. Von Gebäuden, die erzählen, wer wir waren und vielleicht auch, wer wir bleiben möchten.
Deshalb wünschen wir uns vor allem eines, dass der Stubenberg eine Zukunft hat. Eine Zukunft, die seiner Geschichte gerecht wird und eine Zukunft, auf die Gernrode stolz sein kann. Vielleicht wird er eines Tages wieder ein Ort der Begegnung sein. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, ein Ort, an dem Geschichte nicht hinter verschlossenen Türen verschwindet, sondern weiterlebt. Denn manches kann man besitzen.
Heimat jedoch gehört uns allen.
Der Stubenberg ist kein Denkmal aus Stein!
Er ist ein Denkmal unserer Erinnerungen!
Und Erinnerungen verdienen eine Zukunft!
