Die Krebsimpfung – medizinischer Durchbruch oder gefährliche Euphorie?

Was hinter dem spektakulären Erfolg von Moderna und Merck steckt – und warum die Debatte über mRNA damit gerade erst beginnt

Die Nachricht klingt mehr als nur spektakulär!
Eine personalisierte mRNA-Therapie soll bei schwarzem Hautkrebs das Risiko eines Rückfalls oder einer Metastasierung deutlich verringern. Die Moderna-Aktie schoss zeitweise um mehr als 100 Prozent nach oben. Manche sprechen bereits von einem Durchbruch in der Krebsmedizin. Doch was wurde tatsächlich erreicht? Und ausgerechnet die mRNA-Technologie trägt eine schwere Hypothek aus den Corona-Jahren mit sich. Zeit für eine nüchterne Betrachtung.

Es sind Nachrichten, von denen Patienten und Angehörige seit Jahrzehnten träumen! Eine Impfung gegen Krebs!

Moderna und der US-Pharmakonzern Merck haben positive Ergebnisse einer großen klinischen Studie mit mehr als 1100 Patienten mit schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, bekanntgegeben. Die Euphorie war enorm. Die Moderna-Aktie stieg zeitweise um rund 160 Prozent. Firmenchef Stéphane Bancel verglich die Bedeutung des Tages sogar mit jenem, an dem Moderna seine Covid-Vakzine präsentiert hatte.

Der Schweizer Neuen Zürcher Zeitung hingegen ging das entschieden zu weit. Sie bezeichnete Bancels Vergleich kurzerhand als „Humbug“. Wer hat nun recht?

Vielleicht beide ein wenig, und beide ein wenig nicht. Denn hinter der Nachricht steckt tatsächlich ein bemerkenswerter medizinischer Fortschritt. Von einer Impfung gegen Krebs, wie sich der normale Bürger eine Impfung vorstellt, kann allerdings keine Rede sein.

Eine Impfung, die keine Impfung im klassischen Sinne ist

Wer sich gegen Masern impfen lässt, soll möglichst verhindern, überhaupt an Masern zu erkranken. Bei der neuen Krebsbehandlung hingegen ist das vollkommen anders. Die Patienten sind bereits an einem Hochrisiko-Melanom erkrankt. Ihr Tumor wurde operativ entfernt. Die anschließende Behandlung soll verhindern, dass verbliebene Krebszellen wieder zu einem Tumor heranwachsen oder Metastasen bilden.

Dafür wird zunächst der individuelle Tumor des Patienten analysiert. Krebs entsteht durch Veränderungen in unseren eigenen Zellen. Dabei können Moleküle entstehen, die sich von denen gesunder Zellen unterscheiden. Wissenschaftler suchen nach solchen charakteristischen Veränderungen des jeweiligen Tumors und wählen geeignete Zielstrukturen aus. Auf dieser Grundlage wird für den einzelnen Patienten eine individuelle mRNA hergestellt.

Vereinfacht könnte man sagen: Die mRNA liefert dem Immunsystem ein Fahndungsfoto der Krebszellen.

Die Abwehrzellen sollen lernen, anhand dieser Merkmale möglicherweise noch vorhandene Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. Damit allein ist es allerdings nicht getan. Die Patienten erhalten zusätzlich Pembrolizumab, besser bekannt unter dem Handelsnamen Keytruda. Dieses bereits etablierte Krebsmedikament gehört zu den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Krebszellen können Mechanismen benutzen, mit denen sie die Immunabwehr gewissermaßen abbremsen. Keytruda löst eine solche Bremse.

Die Idee der Kombination ist deshalb bestechend einfach: Die personalisierte mRNA zeigt dem Immunsystem, wen es suchen soll und Keytruda nimmt ihm gleichzeitig die Bremse.

Was bedeuten „50 Prozent weniger Risiko“?

An diesem Punkt beginnt allerdings das Problem mit spektakulären medizinischen Schlagzeilen. Immer wieder ist davon zu lesen, die neue Behandlung reduziere das Risiko um ungefähr die Hälfte. Das hört sich gewaltig an, aber eine relative Risikoreduktion von 50 Prozent bedeutet keineswegs automatisch, dass von 100 behandelten Patienten 50 gerettet werden.

Die bereits veröffentlichte kleinere Phase-2b-Studie mit 157 Patienten macht den Unterschied verständlich. 107 Patienten erhielten die Kombination aus personalisierter mRNA-Therapie und Keytruda, 50 Patienten nur Keytruda. In der damaligen Auswertung kam es bei 24 von 107 Patienten der Kombinationsgruppe zu einem Rückfall oder Tod, also rund 22 Prozent. In der Vergleichsgruppe waren es 20 von 50 Patienten, also 40 Prozent. Nach 18 Monaten waren rund 79 Prozent der Patienten mit der Kombination rückfallfrei, gegenüber rund 62 Prozent unter Keytruda allein.

Das ist keineswegs unbedeutend. Im Gegenteil, für betroffene Patienten kann ein solcher Unterschied enorm wichtig sein. Aber es zeigt jedoch auch, warum relative Prozentzahlen allein ein unvollständiges Bild vermitteln.

Der entscheidende Beweis fehlt noch

Nun kommt die wichtigste Einschränkung. Die neue große Phase-3-Studie mit 1137 Hochrisiko-Melanompatienten hat nach Angaben von Moderna und Merck ihre wesentlichen Studienziele erreicht: Die Kombination verringerte sowohl Rückfälle, als auch die Ausbreitung des Tumors in andere Körperregionen statistisch signifikant. Jedoch sind die vollständigen Daten noch nicht veröffentlicht. Und eine entscheidende Frage ist bislang noch unbeantwortet:

Leben die Patienten durch die Behandlung tatsächlich länger?

Das Gesamtüberleben wird weiterhin untersucht. Es ist medizinisch zweifellos wichtig, einen Rückfall um Jahre hinauszuzögern oder Metastasen zu verhindern. Aber zwischen „der Krebs kommt seltener zurück“ und „der Patient lebt länger“ besteht ein Unterschied. Von Heilung zu sprechen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt erst recht verfrüht. Insofern hat die NZZ mit ihrer Warnung vor Euphorie recht. Möglicherweise sehen wir hier einen Durchbbruch. Eine Revolution in der Onkologie? Das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht.

Die nächste Hürde: Was wird diese Medizin kosten?

Die Personalisierung ist zugleich Stärke und Schwäche der neuen Therapie. Wir reden nicht über ein Medikament, das millionenfach identisch produziert und anschließend aus dem Kühlschrank genommen wird. Tumorgewebe muss entnommen und analysiert werden. Mutationen müssen bestimmt, geeignete Zielstrukturen ausgewählt und daraus eine individuelle mRNA konstruiert werden. Anschließend muss das Präparat hergestellt und kontrolliert werden. Derzeit dauert dieser Prozess mehrere Wochen. Hinzu kommt die Behandlung mit Keytruda, die bereits heute außerordentlich kostspielig sein kann.

Was die neue Kombination kosten wird, wissen Moderna und Merck nach eigenen Angaben noch nicht. Damit zeichnet sich aber bereits die nächste große Diskussion ab. Was geschieht, wenn die Medizin in der Lage ist, Krebserkrankungen immer gezielter zu behandeln, die Therapie eines einzelnen Patienten aber enorme Summen kostet? Wer soll sie erhalten? Wer entscheidet darüber? Und wie viele solcher individualisierten Therapien können solidarisch finanzierte Gesundheitssysteme überhaupt stemmen? Der medizinische Fortschritt könnte uns deshalb schneller, als gedacht vor die ethische und gesellschaftliche Frage stellen, was wir behandeln können und was wir uns leisten können, beziehungweise leisten wollen.

Die schwere Hypothek der vier Buchstaben mRNA

Und dann gibt es ein Problem, das mit der Behandlung des Melanoms zunächst überhaupt nichts zu tun hat. Es sind die vier Buchstaben: mRNA.

Für einen erheblichen Teil der Bevölkerung sind sie seit der Corona-Pandemie nicht mehr lediglich die Bezeichnung einer biomedizinischen Technologie. Sie sind politisch und emotional dermaßen aufgeladen, daß ein großer Teil der Bevölkerung alles ablehnt, was mit diesen vier Buchstaben in Verbindung steht.

Das Misstrauen reicht von konkreten Sicherheitsbedenken gegenüber den Covid-Impfstoffen, über Kritik an der damaligen Impfpolitik, bis hin zur grundsätzlichen Ablehnung der gesamten mRNA-Technologie. Wer all diese Menschen einfach unter dem Begriff „Impfgegner“ zusammenfasst, macht es sich zu leicht. Natürlich gibt es Menschen, die Impfungen grundsätzlich ablehnen. Ebenso gab und gibt es jede Menge an Falschinformationen über mRNA.

Daneben stehen jedoch Menschen, die klassische Impfungen akzeptieren, aber speziell gegenüber mRNA-Produkten skeptisch sind. Andere wiederum lehnen nicht primär die Technologie ab, sondern kritisieren den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit den Covid-Impfungen.

Diese Unterschiede sind entscheidend. Denn die Corona-Jahre haben enorm viel Vertrauen gekostet. Damals wurden weitreichende Erwartungen an die Impfungen geknüpft. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Infektionsschutz und Dauer des Schutzes entwickelten sich weiter. Gleichzeitig wurden Impfpflichten diskutiert, Zugangsbeschränkungen eingeführt und Menschen nach ihrem Impfstatus unterschiedlich behandelt. Hinzu kamen Auseinandersetzungen über Nebenwirkungen, deren Häufigkeit und Anerkennung.

Die nicht abgeschlossene Aufarbeitung der Corona-Jahre

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der für das Misstrauen gegenüber mRNA kaum überschätzt werden kann. Die gesellschaftliche, politische und juristische Aufarbeitung der Corona-Jahre ist bis heute nicht abgeschlossen.

Erst im Juli 2025 setzte der Deutsche Bundestag eine Enquete-Kommission zur „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ ein. Sie beschäftigt sich inzwischen unter anderem mit der Rolle von Parlament und Exekutive, den Schutzmaßnahmen, der Impfstrategie, sowie den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, der mit weitergehenden Untersuchungsrechten ausgestattet gewesen wäre, fand dagegen keine Mehrheit. Der Abschlussbericht der Enquete-Kommission soll erst 2027 vorliegen. Damit stehen Jahre nach dem Ende der akuten Pandemie noch immer viele Fragen im Raum, die einen Teil der Bevölkerung beschäftigen. Welche Maßnahmen waren aufgrund des damaligen Wissensstandes gerechtfertigt? Welche waren rückblickend unverhältnismäßig? Wie transparent wurden wissenschaftliche Unsicherheiten kommuniziert? Welche Rolle spielten politische und finanzielle Interessen? Wie wurde mit wissenschaftlichen Minderheitspositionen umgegangen? Und wie angemessen war der gesellschaftliche und berufliche Druck auf Menschen, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollten?

Auch die juristische Dimension ist nicht abgeschlossen. Noch Jahre später beschäftigen Corona-Verfahren die Gerichte. Ärzte wurden und werden wegen Vorgängen aus der Pandemiezeit strafrechtlich verfolgt und teilweise verurteilt, etwa wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse oder anderer Verstöße. Dabei muss man jedoch sorgfältig unterscheiden: Verurteilt werden sie juristisch nicht wegen einer kritischen Meinung zur Impfung, sondern wegen konkreter Tatvorwürfe. Dennoch verstärken solche Verfahren bei Teilen der Bevölkerung den Eindruck, dass die Konflikte der Pandemie gesellschaftlich noch lange nicht beendet sind.

Genau deshalb greift es zu kurz, das anhaltende Misstrauen gegenüber mRNA lediglich mit „Hass“ oder Wissenschaftsfeindlichkeit zu erklären. Vertrauen lässt sich nicht dadurch zurückgewinnen, dass man die damaligen Auseinandersetzungen für beendet erklärt. Es setzt voraus, dass auch unbequeme Fragen gestellt werden dürfen und politische Entscheidungen, wissenschaftliche Empfehlungen und mögliche Fehlentscheidungen mit demselben Maßstab überprüft werden.

Dabei muss Aufarbeitung in beide Richtungen funktionieren. Sie darf weder zu einem nachträglichen Tribunal gegen Wissenschaftler, Politiker und Ärzte werden, die unter enormem Zeitdruck Entscheidungen treffen mussten, noch darf sie berechtigte Kritik mit dem Hinweis abtun, man habe damals eben nach bestem Wissen gehandelt. Entscheidend ist vielmehr herauszufinden, was richtig war, was falsch war und was bei einer nächsten Pandemie anders gemacht werden sollte.

Gerade für die neue mRNA-Krebstherapie ist das von Bedeutung. Ein Patient, der während der Pandemie Vertrauen in Politik, Behörden oder Pharmaunternehmen verloren hat, legt dieses Misstrauen nicht automatisch an der Tür einer onkologischen Klinik ab. Das Wort „mRNA“ kann Erinnerungen an eine Zeit auslösen, die für viele Menschen nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich tief prägend war.

Wer möchte, dass solche Patienten einer möglicherweise lebensrettenden neuen Technologie unvoreingenommen begegnen, sollte ihre Skepsis deshalb nicht verspotten. Er sollte ihnen Daten liefern, Fragen beantworten und auch Unsicherheiten offen benennen. Denn eine glaubwürdige Aufarbeitung der Corona-Zeit und eine sachliche Bewertung der neuen Krebstherapie haben letztlich dasselbe Fundament, denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Zweifel verboten oder abqualifiziert werden, sondern dadurch, dass Fragen beantwortet werden.

Aus einer rein medizinischen Frage wird somit auch eine gesellschaftliche Positionierungsfrage.

Macht eine erfolgreiche Krebstherapie die Kritik an den Covid-Impfungen falsch?

Genau an dieser Stelle wird auch die Argumentation der NZZ problematisch. Sie schreibt sinngemäß, die neuen Ergebnisse zeigten, dass die Ablehnung und der teilweise „exzessive Hass“ auf mRNA-Produkte nicht gerechtfertigt seien. Doch wissenschaftlich folgt das eine nicht aus dem anderen.

Eine erfolgreiche personalisierte mRNA-Krebstherapie beweist nicht rückwirkend, dass jede Kritik an Covid-mRNA-Impfstoffen falsch gewesen wäre. Genauso wenig beweisen tatsächliche oder vermutete Probleme eines Covid-Impfstoffs, dass eine mRNA-Krebstherapie unwirksam oder gefährlich sein muss. Grundsätzlich gilt:

mRNA ist eine Technologie, jedoch nicht ein einzelnes Medikament!

Wir kämen auch nicht auf die Idee, aus den Nebenwirkungen eines bestimmten chemisch hergestellten Medikaments zu schließen, sämtliche chemisch hergestellten Arzneimittel seien gefährlich. Bei mRNA sollte derselbe Maßstab gelten. Jedes Präparat muss anhand seiner konkreten Anwendung, seiner Dosierung, seiner Wirksamkeit und seiner Risiken beurteilt werden. Gerade deshalb wäre es fatal, die neue Krebstherapie zur Fortsetzung der alten Corona-Debatte mit anderen Mitteln zu machen.

Vertrauen lässt sich nicht verordnen

Die mRNA-Krebstherapie könnte damit vor einer Herausforderung stehen, die ihre Entwickler nicht allein im Labor lösen können. Was geschieht, wenn einem Patienten eines Tages plötzlich gesagt wird: „Wir haben Ihren Tumor analysiert und können für Sie eine individuelle mRNA-Therapie herstellen“?

Wird er zuerst nach den Studiendaten fragen, oder wird er bei dem Wort mRNA innerlich bereits abwinken? Sollte Letzteres geschehen, wäre das eine der bittersten Spätfolgen der Corona-Jahre. Vertrauen jedoch gewinnt man nicht zurück, indem man Skeptiker lächerlich macht oder ihre Fragen pauschal als Wissenschaftsfeindlichkeit abtut. Vertrauen entsteht auch nicht durch Superlative von Vorstandsvorsitzenden. Es entsteht vielmehr durch Transparenz.

Wie viele Patienten profitieren tatsächlich? Wie viele nicht? Welche Nebenwirkungen treten auf? Wie groß ist der absolute Nutzen? Leben die Patienten länger? Welche Unsicherheiten bestehen noch?

Und gmindestens ebenso wichtig: Was weiß man noch nicht?

Zwischen Hoffnung und Börseneuphorie

Der Kurssprung von Moderna zeigt, dass es bei dieser Geschichte nicht nur um Medizin geht. Nach dem Ende des großen Covid-Impfstoffgeschäfts stand Moderna unter erheblichem Druck, zu beweisen, dass seine mRNA-Plattform auch jenseits von Covid wirtschaftlich erfolgreiche Produkte hervorbringen kann. Die positiven Krebsdaten haben diese Perspektive schlagartig verändert.

Investoren wetten offensichtlich nicht nur auf eine neue Melanomtherapie. Sie wetten darauf, dass dasselbe Prinzip eines Tages bei Lungen-, Nieren-, Blasen-, Bauchspeicheldrüsen- und anderen Krebsarten funktionieren könnte. Das kann eintreten, es muss aber nicht. Deshalb sollte man zwei Dinge strikt voneinander trennen:

Der Börsenkurs bewertet Erwartungen an die Zukunft, die Medizin jedoch muss Ergebnisse bei Patienten beweisen.

Fortschritt ja, Revolution noch nicht

Was bleibt also von der großen Nachricht? Mehr, als Skeptiker vielleicht wahrhaben möchten, und weniger, als die Euphorie vermuten lässt.

Erstmals hat eine personalisierte mRNA-Krebstherapie in einer großen Phase-3-Studie zusammen mit einer etablierten Immuntherapie entscheidende Studienziele erreicht. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg nach jahrzehntelanger Forschung. Ob daraus tatsächlich eine Revolution der Krebsmedizin wird, hängt jedoch von Fragen ab, die heute noch unbeantwortet sind. So vom Gesamtüberleben, von den vollständigen Sicherheitsdaten, von Herstellung und Kosten und vor allem davon, ob sich das Prinzip auch auf andere Krebsarten übertragen lässt.

Möglicherweise liegt darin gleichzeitig eine Chance. Die neue Therapie muss weder zum Triumph der mRNA-Befürworter noch zum nächsten Schlachtfeld der mRNA-Gegner werden. Sie verdient etwas, das in den vergangenen Jahren erstaunlich schwer geworden ist, nämlich eine nüchterne Betrachtung der Fakten.

Wenn die personalisierte mRNA-Therapie nachweislich dazu führt, dass Menschen länger und besser leben, wäre das ein großer medizinischer Fortschritt. Wenn sich manche Hoffnungen nicht erfüllen, muss auch das ausgesprochen werden, denn Wissenschaft lebt nicht davon, Recht zu behalten. Sie lebt davon, ihre eigenen Aussagen immer wieder an den Daten zu überprüfen. Vertrauen in Wissenschaft entsteht nicht durch Euphorie, sondern es entsteht durch Ehrlichkeit.