Deutschland verliert nicht den Anschluss. Deutschland gibt ihn gerade freiwillig auf.
Jahrelang galt Deutschland als das Land der Ingenieure. Heute müssen wir zusehen, wie uns andere Nationen in Schlüsseltechnologien überholen und wir reden uns ein, es sei noch genug Zeit. Haben wir die wirklich?
Volkswagen hat Milliarden in Software investiert und trotzdem den Anschluss verloren. Projekte wurden gestoppt, Strategien mehrfach neu geschrieben, wertvolle Jahre gingen verloren. Während China die Weltmärkte erobert, zerlegt Deutschland seine Zukunft.
Volkswagen und Bosch wollten mit ihrer Allianz beweisen, dass Deutschland beim autonomen Fahren Weltspitze bleiben kann. Heute steht diese Hoffnung vor dem Aus. Rund 1,5 Milliarden Euro wurden investiert. Jahre an Entwicklungsarbeit. Tausende hochqualifizierte Ingenieursstunden. Und das Ergebnis? Das Projekt gilt intern offenbar als nicht mehr wettbewerbsfähig. Volkswagen sucht bereits nach einem neuen Partner.
Während wir Milliarden abschreiben, entstehen in China Unternehmen wie Momenta, die ihre Systeme längst international testen, auch in Deutschland, und den Weltmarkt ins Visier nehmen.
Das ist kein Betriebsunfall. Das ist ein Alarmsignal. Es geht hier nicht allein um Volkswagen oder Bosch, ja nicht einmal um die Automobilindustrie. Es geht um die Zukunft des Industriestandorts Deutschland.
Wenn selbst Volkswagen und Bosch – zwei Symbole deutscher Ingenieurskunst – im wichtigsten Technologiefeld unserer Zeit den Anschluss verlieren, dann sollten in Berlin sämtliche Alarmglocken schrillen.
Stattdessen diskutieren wir weiter über Zuständigkeiten, über Bürokratie, über irgendwelche – meist unnützen – Förderprogramme. Dabei wird komplett vergessen, dass die Welt nicht auf Deutschland wartet. Im Gegenteil, sie fährt mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets an uns vorbei!
Während wir uns selbst beschäftigen, entstehen in China Unternehmen wie Momenta. Kaum jemand kennt ihren Namen, noch nicht. Doch genau diese Firmen entwickeln die autonomen Fahrsysteme, die morgen unsere Straßen prägen könnten. Sie testen längst in Europa, auch in Deutschland.
Momenta ist kein Einzelfall, es ist vielmehr ein weithin sichtbares Muster. Während Deutschland verwaltet, handelt China. Während Deutschland reguliert, investiert China. China bildet in einem horrenden Tempo Ingenieure aus während bei uns über Zuständigkeiten gestritten wird.
Und während wir uns gegenseitig erklären, warum etwas nicht geht, entstehen anderswo die Weltmarktführer von morgen. Der eigentliche Skandal ist nicht, dass China derart erfolgreich ist, sondern dass wir einfach nur zuschauen.
Wie viele Warnsignale brauchen wir denn eigentlich noch? Welche Technologien wollen wir noch verlieren? Wie viele Werke wollen wir noch schließen müssen? Wie viele Arbeitsplätze wollen wir noch abbauen? Wie viele Milliarden müssen noch abgeschrieben werden, bis wir begreifen, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht durch Sonntagsreden entsteht?
Deutschland braucht keinen weiteren Zukunftsgipfel, Deutschland braucht einen Aufbruch, schnell, mutig, radikal, pragmatisch und keinesfalls ideologisch verbrämt.
Denn eines ist sicher: Die Welt wartet ganz sicher nicht darauf, bis Deutschland seine nächste Arbeitsgruppe gegründet hat.
