Die vergessene Kraft der Atmung

Warum der erste Schritt zur Gesundheit bereits in Ihrer Nase beginnt

Jeder Mensch weiß, dass er atmen muss. Doch die wenigsten Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sie atmen. Dabei begleiten uns täglich zwischen 20.000 und 25.000 Atemzüge. Oft unbewusst. Oft zu schnell. Oft zu flach.

Wir beschäftigen uns mit Ernährung, Vitaminen, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten. Gleichzeitig schenken wir dem Vorgang, ohne den wir keine fünf Minuten überleben würden, kaum Beachtung. Unser Körper benötigt Sauerstoff für jede einzelne Zelle. Mit jedem Atemzug gelangt Sauerstoff über die Lunge in das Blut. Dort wird er an die roten Blutkörperchen gebunden und zu allen Organen und Geweben transportiert. Jede Zelle unseres Körpers nutzt Sauerstoff, um Energie zu erzeugen. Dieser Vorgang findet ununterbrochen statt – Tag und Nacht, vom ersten bis zum letzten Atemzug unseres Lebens.

Besonders unser Gehirn ist auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung angewiesen. Obwohl es nur einen kleinen Teil unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es einen erheblichen Teil des aufgenommenen Sauerstoffs. Auch Herz, Muskeln und sämtliche Organe benötigen eine kontinuierliche Versorgung. Wenn wir dauerhaft zu flach oder hektisch atmen, kann sich dies auf unser Wohlbefinden auswirken. Viele Menschen kennen die Folgen von Stress: verspannte Schultern, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.

Unter Anspannung neigen wir dazu, schneller und flacher zu atmen. Der Körper schaltet in einen Alarmmodus, der ursprünglich für Gefahrensituationen gedacht war. Wird dieser Zustand jedoch zum Dauerzustand, kann er unser Wohlbefinden beeinträchtigen.
Viele Menschen atmen zudem überwiegend durch den Mund. Dabei hat die Natur uns die Nase nicht ohne Grund geschenkt. Die Nasenatmung filtert, erwärmt und befeuchtet die Luft, bevor sie in die Lunge gelangt. Darüber hinaus unterstützt sie einen ruhigeren Atemrhythmus. Wer bewusst durch die Nase atmet, stellt oft fest, dass sich Atmung und Herzschlag beruhigen.

Ein weiterer interessanter Gedanke: Wir können viele Vorgänge unseres Körpers nicht bewusst beeinflussen. Herzschlag, Verdauung oder Stoffwechsel laufen weitgehend automatisch ab. Die Atmung bildet hier eine Ausnahme. Sie funktioniert zwar von selbst, kann aber gleichzeitig bewusst gesteuert werden. Genau deshalb spielt sie in vielen Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen eine zentrale Rolle. Wer sich selbst beobachten möchte, kann mit einer einfachen Übung beginnen:

Nehmen Sie sich heute drei Minuten Zeit. Setzen Sie sich ruhig hin und achten Sie lediglich auf Ihren Atem. Atmen Sie langsam durch die Nase ein und wieder aus. Versuchen Sie nicht, etwas zu erzwingen. Beobachten Sie einfach. Viele Menschen stellen dabei überrascht fest, wie unruhig ihre Atmung im Alltag geworden ist. Natürlich löst bewusstes Atmen nicht alle gesundheitlichen Probleme. Doch es erinnert uns an etwas Wesentliches: Gesundheit beginnt häufig nicht mit komplizierten Lösungen, sondern mit den Grundlagen des Lebens.

In den kommenden Artikeln dieser Serie beschäftigen wir uns mit weiteren Fundamenten unserer Gesundheit: Wasser, Ernährung, Bewegung, Schlaf und den kleinen Gewohnheiten, die oft eine größere Wirkung haben als wir denken.

Denn Gesundheit beginnt mit dem ersten Atemzug – und begleitet uns bis zum letzten.